Lernzettel: Beschaffungs- und Fertigungsprozesse

Kursübersicht

  1. Beschaffungszyklus und Einkauf
  2. Operative Beschaffung und Bestandsführung
  3. Rechnungsprüfung und Verbindlichkeiten
  4. Fertigung und Fertigungsauftrag
  5. Produktionsplanung und Auftragsablauf
  6. Prozess der Auftragserfüllung
  7. Kundenauftrag bis Fakturabeleg

1. Beschaffungszyklus und Einkauf

★ Unbedingt können

  • Der typische Beschaffungszyklus umfasst:
    • Bedarfsermittlung
    • Bezugsquellenfindung
    • Lieferantenauswahl
    • Bestellungsanlage
    • Bestellüberwachung
    • Wareneingang
    • Rechnungsprüfung
    • Zahlungsabwicklung

Ergänzungen

  • Bei der Bestellungsanlage werden Informationen aus der Bestellanforderung oder dem Angebot in die Bestellung übernommen.

  • SAP S/4HANA führt Bestellanforderung und Einkaufswagen zu einem Geschäftsobjekt zusammen und unterstützt die zentrale Bestellungsbearbeitung.

  • SAP S/4HANA integriert die Übertragung von Bestellungen und zugehörigen Belegen in das SAP Ariba Network.

2. Operative Beschaffung und Bestandsführung

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Operative Beschaffung: Unterstützung von Einkäufern beim Bearbeiten von Bestellanforderungen, Finden geeigneter Bezugsquellen sowie Anlegen und Bearbeiten von Bestellungen
  • Bestandsführung: Unterstützung der Identifikation, Klassifizierung, Bewertung und Speicherung von Bestandspositionen in komplexen Supply-Chain-Netzwerken

★ Unbedingt können

  • Die Bestandsführung in SAP S/4HANA stellt aktuelle Informationen zu zukünftigen Lagerbewegungen und Beständen bereit, einschließlich Angebot und Nachfrage über einen Zeithorizont und auf allen Ebenen der Produktstrukturen bis zur kleinsten Komponente.

Ergänzungen

  • Die umfassende Lösung Operative Beschaffung umfasst:

    • Self-Service-Anforderung
    • Bearbeitung von Anforderungen
    • Bestellungsbearbeitung
    • Beschaffung
    • Bestellkooperation
    • Beschaffungsanalysen
  • Die katalogübergreifende Suche unterstützt Mitarbeiter beim Suchen und Anfordern von Waren und Dienstleistungen mit einer Endverbrauchererfahrung.

  • Echtzeit-Beschaffungsanalysen helfen Einkäufern, auf Ausnahmen bei Ausgaben und überfällige Bestellpositionen zu reagieren.

  • Die Bestandsführung in Echtzeit macht Pufferbestände zum Ausgleich von Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten entbehrlich und ermöglicht dadurch einen höheren Warenumschlag.

  • SAP HANA ermöglicht die Verarbeitung kleinerer Losgrößen nach Bedarf, ohne den Bestand in umfangreichen aggregierten Batches verarbeiten zu müssen.

Eselsbrücke

Echtzeitbestand → weniger Pufferbestand und höherer Warenumschlag

3. Rechnungsprüfung und Verbindlichkeiten

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Logistik-Rechnungsprüfung: Die Logistik-Rechnungsprüfung überprüft Rechnungen und Gutschriften auf ihre Richtigkeit, erfasst sie im System und verbindet Beschaffung mit Buchhaltung.

★ Unbedingt können

📌 Weichen Bestellung oder Wareneingang von der Rechnung ab, zeigt das System eine Warnung an und sperrt die Rechnung bei entsprechender Systemkonfiguration für die Zahlung.

Ergänzungen

  • Bei einer Rechnung mit Bestellbezug zeigt das System unter anderem Lieferant, Material, noch zu berechnende Menge und Zahlungsbedingungen an.

  • Mit der Rechnungsbuchung wird die Bestellhistorie aktualisiert und in der Finanzbuchhaltung die Zahlung der offenen Rechnungspositionen eingeleitet.

  • SAP S/4HANA ermöglicht das Anlegen von Lieferantenrechnungen mit oder ohne Bestellbezug sowie das Anzeigen und direkte Korrigieren fehlerhafter Rechnungen.

Eselsbrücke

Rechnungsprüfung verbindet Beschaffung und Buchhaltung; die Zahlung gehört zum Buchhaltungsprozess

4. Fertigung und Fertigungsauftrag

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Fertigungsauftrag: Der Fertigungsauftrag ist das zentrale Datenobjekt der Fertigungssteuerung und Produktionsdurchführung und enthält Produktionsziele, Materialkomponenten, erforderliche Ressourcen und Kosten.

★ Unbedingt können

📌 Diskrete Fertigung und Prozessfertigung sind auftragsbezogene Produktionsszenarien, während Serienfertigung den Produktionsprozess ohne Fertigungs- oder Prozessaufträge modelliert.

Ergänzungen

  • Ein normaler Fertigungsauftrag deckt den Bedarf an einem einzelnen Material oder Produkt ab; mehrere gemeinsam produzierte Kuppelprodukte sind ebenfalls möglich, wobei die Kosten auf die Produkte aufgeteilt werden können.

  • Fertigungsaufträge werden in der Regel aus Planaufträgen angelegt und können Fremdarbeitsvorgänge für die Bearbeitung in einer externen Werkstatt enthalten.

Eselsbrücke

Diskrete und Prozessfertigung arbeiten auftragsbezogen, Serienfertigung kommt ohne Fertigungs- oder Prozessaufträge aus

5. Produktionsplanung und Auftragsablauf

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Materialbedarfsplanung: Planung von Stücklistenkomponenten über mehrere Ebenen und einen kurz- bis mittelfristigen Horizont
  • Kapazitätsplanung: Unterstützung der Planung von Produktionsaufträgen sowie der Sequenzplanung und Terminierung des Ist-Produktivbetriebs und der Ist-Montagevorgänge

★ Unbedingt können

  • Der Fertigungsprozess umfasst:

    • Produktionsplanung
    • Auftragseröffnung
    • Kapazitäts- und Bedarfsplanung
    • Auftragsfreigabe
    • Materialbereitstellung
    • Auftragsdurchführung
    • Rückmeldungen
    • Wareneingang
    • Periodenabschluss
    • Archivierung
  • Die Auftragsfreigabe ist ein wesentlicher Meilenstein für Folgeprozesse wie das Drucken von Auftragsbelegen und die Materialentnahme; dabei wird ein Status gesetzt und eine Verfügbarkeitsprüfung kann automatisch erfolgen.

  • Der Arbeitsplan für T-F1## im Werk 1010 umfasst die Vorgänge 0010 Assembly am Arbeitsplatz T-A##, 0020 Testing am Arbeitsplatz T-T## und 0030 Posting goods receipt am Arbeitsplatz T-T##.

  • Ein Planauftrag über 10 Stück wird in der App Materialdeckung ermitteln: Nettoabschnitte in einen Fertigungsauftrag umgewandelt, indem der Planauftrag ausgewählt und über Aktionen → Konvertieren → In Fertigungsauftrag umsetzen bestätigt wird.

  • Für die Materialbereitstellung eines Fertigungsauftrags werden in der App Warenbewegung buchen die Warenausgänge der zugehörigen Komponenten mit der Bewegungsart Warenausgang und dem Auftrag gebucht; alle drei Baugruppen werden als Position OK markiert, der Beleg wird geprüft und anschließend gebucht.

📌 Die Vorgänge 0010, 0020 und 0030 werden jeweils mit der Rückmeldeart Automatische Endrückmeldung und der gesamten Auftragsmenge rückgemeldet; beim letzten Vorgang wird laut Steuerschlüssel des Arbeitsplans der Wareneingang automatisch gebucht.

Ergänzungen

  • SAP HANA beschleunigt die Materialbedarfsplanung und ermöglicht häufigere Planungsläufe mit kürzeren Zeitabständen und kleineren Chargengrößen.

  • Available-to-Promise berücksichtigt bei Echtzeit-Verfügbarkeitsprüfungen alle zukünftigen Plan- und Istaufträge und kann alle Positionen eines Auftrags gleichzeitig prüfen.

  • Available-to-Promise unterstützt intelligente Produktsubstitution sowie Rückstandsbearbeitung und Kontingentierung bei Konflikten durch niedrige Bestände oder die Einführung eines neuen Produkts.

  • Fertigungsaufträge können einzeln, vollständig oder mehrfach gleichzeitig freigegeben werden.

  • Komponentenmaterialien für Fertigungsaufträge können mithilfe von Warenausgangsscheinen, Materialbereitstellungslisten oder Kommissionierlisten zur Materialentnahme bereitgestellt werden.

  • Rückmeldungen erfassen erbrachte Eigenleistungen zu einem Auftrag und unterstützen die Fortschrittsprüfung; sie können manuell oder über die Schnittstelle eines Manufacturing Execution System erfolgen.

  • Die Wareneingangsbuchung erfasst den Bestandszugang eines anhand eines Fertigungsauftrags gefertigten Produkts und stößt gleichzeitig weitere Aktionen an.

  • Die mehrstufige Stücklistenauflösung für Material T-F1## im Werk 1010 mit Anwendung PP01 und Einsatzmenge 10 nennt auf Ebene 1 die Komponenten T-S1##, T-S2## und T-R1## sowie auf Ebene 2 die Rohstoffe T-R2##, T-R3##, T-R4## und T-R5##.

Eselsbrücke

Planen, freigeben, bereitstellen, fertigen, rückmelden und Wareneingang buchen

6. Prozess der Auftragserfüllung

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Kundenauftrag: bildet die Kundenbestellung ab, kann Informationen aus Angeboten oder Anfragen übernehmen und prüft beim Anlegen die Materialverfügbarkeit, damit das Wunschlieferdatum bestätigt werden kann.
  • Auslieferung: Grundlage für die physische Warenbewegung und die Warenausgangsbuchung und unterstützt Kommissionierung, Verpackung, Transport und Warenausgang.

★ Unbedingt können

  • Die Auftragserfüllung umfasst den Kundenauftrag, die Auslieferung, die Kommissionierung, den Warenausgang und anschließend die Fakturierung.

📌 Für die Buchung des Warenausgangs müssen Liefermenge und Kommissioniermenge in der Auslieferung identisch sein.

📌 Fakturabelege werden beim Verkauf physischer Produkte mit Bezug auf eine oder mehrere Auslieferungen und beim Verkauf von Dienstleistungen mit Bezug auf Kundenaufträge angelegt.

Ergänzungen

  • Bei der Warenausgangsbuchung werden der Materialbestand und die Bedarfe um die Liefermenge reduziert, Wertänderungen auf dem Bestandskonto gebucht, der Serialnummernstatus aktualisiert, die Buchung im Belegfluss erfasst und die Bestandsfindung für den Konsignationsbestand des Lieferanten ausgeführt.

  • Die Kontenfindung verbucht Fakturabeträge automatisch auf die entsprechenden Hauptbuchkonten.

  • Der Belegfluss erfasst die Aktivitäten und miteinander verbundenen Verkaufsbelege eines Vorgangs, beispielsweise Anfrage, Angebot, Kundenauftrag, Versand, Rechnung und Buchhaltungsbeleg.

Eselsbrücke

Kundenauftrag → Auslieferung → Kommissionierung → Warenausgang → Faktura

7. Kundenauftrag bis Fakturabeleg

Wesentliche Punkte

  • Der Kundenauftrag der Verkaufsorganisation 1010 für Auftraggeber T-C## enthält die Position T-D1## mit 4 Stunden und die Position T-F1## mit 2 Stück; Auftragsart ist TA, Vertriebsweg 10, Sparte 00 und Kundenreferenz S4H00##.

  • Eine Auslieferung wird für den Kundenauftrag mit Warenempfänger T-C## und Versandstelle 1010 angelegt; anschließend wird die Kommissioniermenge 2 gesichert und der Warenausgang gebucht.

  • Für die Sammelfaktura des Kunden T-C## werden auftragsbezogene und lieferbezogene Belege ausgewählt und die Fakturaart F1 verwendet.

  • Der Buchhaltungsbeleg zur Position 20 des Materials T-F1## lässt sich über Kundenaufträge verwalten und den Belegfluss aufrufen; im Belegfluss führt der Warenauslieferungsbeleg zum Materialbeleg und über dessen Beleginfo zu den RW-Belegen.

Teste dein Wissen

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1. Welche Bestandsübersicht stellt SAP S/4HANA für eine Produktstruktur bereit?

2. Ein Unternehmen hat den Bedarf ermittelt, Bezugsquellen geprüft und einen Lieferanten ausgewählt. Welche Schritte folgen im typischen Beschaffungszyklus in der richtigen Reihenfolge?

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Merke dir die Schlüsselkonzepte von Beschaffungs- und Fertigungsprozesse mit 10 interaktiven Karteikarten.

Welche Schritte umfasst der typische Beschaffungszyklus?

Bedarfsermittlung, Bezugsquellenfindung, Lieferantenauswahl, Bestellungsanlage, Bestellüberwachung, Wareneingang, Rechnungsprüfung und Zahlungsabwicklung.

Welche Aufgaben unterstützt die operative Beschaffung?

Sie unterstützt das Bearbeiten von Bestellanforderungen, das Finden geeigneter Bezugsquellen sowie das Anlegen und Bearbeiten von Bestellungen.

Welche Informationen werden bei der Bestellungsanlage in die Bestellung übernommen?

Informationen aus der Bestellanforderung oder dem Angebot.

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