Lernzettel: Bauchchirurgie und postoperative Therapie

Kursübersicht

  1. Akute Erkrankungen des Bauchraums
  2. Hernien und Divertikulitis
  3. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  4. Appendizitis und Gallenwegserkrankungen
  5. Abdominale Karzinome und Warnzeichen
  6. Operative Versorgung und Akutes Abdomen
  7. Vakuumtherapie und Fast Track
  8. Befund und Mobilisation nach Operation
  9. Lokale Stabilität und Kontrolltests
  10. Physiotherapieziele und Alltag

1. Akute Erkrankungen des Bauchraums

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Ileus: mechanischer oder funktioneller Darmverschluss
  • Peritonitis: Entzündung des Peritoneums, also des Bauchfells
  • Akutes Abdomen: plötzlich auftretende, zunehmend lebensbedrohliche Situation mit Schmerzen oder Beschwerden im Bauchraum

★ Unbedingt können

  • Ein Ileus kann konservativ mit Abführen, Nahrungskarenz, Flüssigkeit und Medikamenten oder operativ durch Beseitigung der Ursache behandelt werden.

Ergänzungen

  • Zu den möglichen Symptomen eines Ileus gehören Übelkeit, Erbrechen, kolikartige Schmerzen, gegebenenfalls Koterbrechen und fehlende Darmgeräusche.

  • Eine Peritonitis entsteht meist durch eine bakterielle Entzündung oder die Perforation eines Verdauungsorgans, kann auch intraoperativ auftreten und wird selten hämatogen verursacht.

  • Die im Material genannten Symptome der Peritonitis sind Übelkeit, Erbrechen, kolikartige Schmerzen, gegebenenfalls Koterbrechen und fehlende Darmgeräusche.

  • Die Peritonitis wird konservativ mit Nahrungskarenz, Flüssigkeit und Medikamenten oder operativ durch Beseitigung der Ursache behandelt.

  • Verschiedene Krankheitsbilder können ein akutes Abdomen verursachen; eine häufige Ursache ist die Appendizitis.

2. Hernien und Divertikulitis

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Hernie: Eine Hernie ist ein Bauchfellvorstülpen durch eine anatomische Schwachstelle oder Lücke; sie besteht aus Bruchpforte, Bruchsack und Bruchinhalt.
  • Divertikel: Ausstülpungen der Darmwand
  • Divertikulitis: Eine Divertikulitis ist die Entzündung von Divertikeln der Darmwand.

★ Unbedingt können

  • Eine Hernie wird operativ behandelt, indem der Bruch verschlossen wird, häufig mit alloplastischem Material wie einem Netz.

  • Entzündete Divertikel können durchbrechen, sodass Darminhalt in den Bauchraum gelangt und eine Peritonitis verursachen kann.

  • Divertikulitis wird konservativ mit Abführen, gegebenenfalls parenteraler Ernährung und Antibiotika oder operativ durch Entfernung des betroffenen Darmabschnitts behandelt.

Ergänzungen

  • Der Bruchsack einer Hernie kann peritoneales Fettgewebe oder Eingeweideteile wie Darmschlingen enthalten.

  • Zu den genannten Ursachen einer Hernie gehören Bindegewebsschwäche, schweres Heben, Husten, Niesen und Pressen.

  • Eine Hernie wölbt sich bei erhöhtem intraabdominalem Druck nach außen und ist in der Regel nicht schmerzhaft.

  • Mögliche Symptome sind:

    • veränderte Stuhlgewohnheiten
    • Bauchschmerzen
    • Blut im Stuhl
    • Anämie
    • Völlegefühl
    • Übelkeit

Eselsbrücke

Durchbruch eines Divertikels → Darminhalt im Bauchraum → Peritonitis

3. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Morbus Crohn: Morbus Crohn ist eine chronische, oft schubweise verlaufende Entzündung aller Wandschichten des Darms.
  • Colitis ulcerosa: Colitis ulcerosa ist eine chronisch-rezidivierende, diffuse Entzündung der Dickdarmschleimhaut mit Ulzerationen.

★ Unbedingt können

  • Morbus Crohn kann den Verdauungstrakt vom Ösophagus bis zum After befallen; am häufigsten ist das Ileum betroffen.

  • Eine Operation heilt Morbus Crohn nicht; bei Darmperforationen, Fisteln, Abszessen oder Stenosen wird der betroffene Darmabschnitt entfernt.

  • Bei Colitis ulcerosa sind im Gegensatz zu Morbus Crohn nur Mukosa und Submukosa betroffen.

Ergänzungen

  • Die Ursache des Morbus Crohn ist unbekannt, die Erkrankung tritt jedoch familiär gehäuft auf.

  • Mögliche Beschwerden sind:

    • Durchfälle
    • kolikartige Schmerzen
    • Blähungen
    • leichtes Fieber
    • Arthritis
    • Hautausschlag
    • Augenentzündungen
  • Morbus Crohn wird konservativ mit Diät, gegebenenfalls parenteraler Ernährung und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt.

  • Die Ursache der Colitis ulcerosa ist unbekannt, die Erkrankung tritt jedoch familiär gehäuft auf.

  • Mögliche Symptome sind:

    • blutig-schleimige Durchfälle
    • kolikartige Bauchschmerzen
    • Fieber
    • Gewichtsverlust
  • Zu den Komplikationen der Colitis ulcerosa gehören Blutungen, Stenosen und eine Karzinomentwicklung, die nach 25 Jahren in 40 % der Fälle auftritt.

  • Colitis ulcerosa wird konservativ mit Diät, gegebenenfalls parenteraler Ernährung und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt; bei Komplikationen können betroffene Darmabschnitte entfernt werden.

4. Appendizitis und Gallenwegserkrankungen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Appendizitis: Eine Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes.
  • Cholezystitis: Eine Cholezystitis ist eine bakterielle Entzündung der Gallenblase, die meist zusätzlich mit Gallensteinen auftritt.
  • Cholezystolithiasis: Eine Cholezystolithiasis bezeichnet Gallensteine, die eine Entzündung der Gallenblase verursachen können.

★ Unbedingt können

  • Die operative Behandlung der Appendizitis ist die Appendektomie.

Ergänzungen

  • Eine Appendizitis wird häufig durch eine Infektion, Abknickung oder einen Fremdkörper ausgelöst.

  • Die operative Behandlung einer Cholezystitis ist die Cholezystektomie.

  • Gallensteine können konservativ mit Diät, Medikamenten, äußerer Stoßwellenzertrümmerung oder endoskopischer Entfernung mittels ERCP behandelt werden.

  • Eine operative Behandlung der Cholezystolithiasis ist die Cholezystektomie, die laparoskopisch oder mittels Laparotomie erfolgen kann.

5. Abdominale Karzinome und Warnzeichen

★ Unbedingt können

  • Warnzeichen sind:

    • unerklärlicher Gewichtsverlust
    • Krebs in der Vorgeschichte oder Familie
    • Nachtschmerzen
    • veränderte Stuhlgewohnheiten
    • ungewohnte Blutungen
    • Übelkeit
    • Schluckbeschwerden
  • Die ärztliche Behandlung des Kolonkarzinoms umfasst eine radikale Tumorresektion mit Entfernung umliegenden Gewebes und regionaler Lymphknoten sowie anschließende Chemotherapie.

  • Je nach Stadium wird ein Magenkarzinom durch Magenteilresektion oder totale Gastrektomie mit Entfernung umliegenden Gewebes und regionaler Lymphknoten behandelt.

Ergänzungen

  • Risikofaktoren sind:

    • familiäre Disposition
    • falsche Ernährung
    • Polypen
    • Colitis ulcerosa
    • Morbus Crohn
  • Krebsvorsorgeuntersuchungen werden als Prävention des Kolonkarzinoms genannt.

  • Genannte Ursachen beziehungsweise Risikofaktoren sind:

    • genetische Disposition
    • Ernährungsfaktoren
    • chronische Gastritis
    • Helicobacter pylori
    • chronisches Magengeschwür
    • operierter Magen
  • Ein Magenkarzinom verursacht anfangs oft keine Symptome; später können Übelkeit, Völlegefühl, Druckgefühl, Erbrechen und chronische Anämie auftreten.

  • Die Diagnostik umfasst:

    • Endoskopie
    • Sonographie
    • Blutuntersuchung

6. Operative Versorgung und Akutes Abdomen

★ Unbedingt können

  • Bei abdominalen Operationen wird meist das betroffene Organ oder der Darmabschnitt entfernt; bei Krebserkrankungen werden häufig zusätzlich Lymphknoten und umliegendes Gewebe zur histologischen Untersuchung entnommen.

Ergänzungen

  • Abdominale Eingriffe erfolgen nach Möglichkeit laparoskopisch und minimalinvasiv, die Schnittführung kann jedoch auch große Längs- oder Querschnitte erfordern.

  • Nach einer Bauchoperation kann ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) nötig sein, der in den meisten Fällen später zurückverlegt werden kann.

7. Vakuumtherapie und Fast Track

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Fast-Track-Konzept: Das Fast-Track-Konzept ist ein optimiertes postoperatives Management zur Versorgung und Verkürzung des stationären Aufenthalts.

★ Unbedingt können

  • Bei der Vakuumversiegelung wird die Wunde mit Schaumstoff ausgelegt, luftdicht mit Folie verschlossen und mithilfe einer Pumpe unter Unterdruck gesetzt.

  • Ziele der Vakuumtherapie sind beschleunigte Heilung, Absaugen von Wundsekret, verbesserte Durchblutung, verringerte Schwellung und Förderung der Granulationsgewebebildung.

  • Das Fast-Track-Konzept umfasst Schmerztherapie, Mobilisation, Information und Aufklärung des Patienten sowie Kostaufbau.

Ergänzungen

  • Eine Vakuumtherapie kann bei Wundheilungsstörungen, Peritonitis, Sepsis und anderen Komplikationen eingesetzt werden.

  • Patienten dürfen bei einer Vakuumtherapie in der Regel mobilisiert werden; die Pumpe wird mitgenommen und läuft im Akkubetrieb weiter.

  • Der Kostaufbau kann ab der zweiten postoperativen Stunde mit Trinken, Joghurt und klarer Suppe beginnen und soll die physiologische Darmtätigkeit fördern.

8. Befund und Mobilisation nach Operation

★ Unbedingt können

  • Der Befund umfasst:
    • Atmung
    • Transfers
    • Beweglichkeit der oberen Extremitäten
    • Beweglichkeit der unteren Extremitäten
    • Bauchmuskelaktivität
    • sonstige Auffälligkeiten

Ergänzungen

  • Transfers können passiv vom Rückenliegen in den Sitz oder Seitlagensitz, assistiv über en-bloc-Drehen in den Seitlagensitz oder aktiv über en-bloc-Drehen ausgeführt werden.

  • Ein aktiver Transfer vom Rückenliegen in den Sitz ist bei Bauchoperationspatienten nicht immer möglich.

  • Bei einem fallenden Patienten wird dieser möglichst sanft in den Sitz auf den Boden gleiten gelassen, gesichert und stabilisiert, bei Bedarf wird Hilfe geholt, die Bank möglichst tief gestellt, die Füße werden fixiert und unter den Achseln wird gegriffen, bevor der Patient allein oder zu zweit aufgerichtet wird.

Eselsbrücke

Passiv → assistiv → aktiv: Die Transfers werden schrittweise selbstständiger.

9. Lokale Stabilität und Kontrolltests

★ Unbedingt können

  • Beim Lumbo-Pelvic-Stability-Test in Rückenlage liegt die Manschette unter der Lendenwirbelsäule, wird auf 40 mmHg aufgepumpt, während der Patient die MTA aktiviert und den Beckenboden anspannt, beide Hüften bis 90° beugt und die Position 10 Sekunden hält.

  • Beim Lumbo-Pelvic-Stability-Test gilt eine Druckabweichung von 40 mmHg um höchstens 2 mmHg als gut; eine größere Abweichung weist auf ein Control Impairment hin.

  • Der Lumbo-Pelvic-Stability-Test soll während der postoperativen Entzündungs- und Proliferationsphase wegen Narbe und Wundheilung nicht durchgeführt werden.

Ergänzungen

  • Beim Abdominal Hollowing in Bauchlage wird die Manschette auf 70 mmHg eingestellt, der Bauchnabel eingezogen und die Spannung 10 Sekunden gehalten.

  • Beim Abdominal Hollowing gilt eine Druckabweichung von 6 mmHg als gut; eine Abweichung von weniger als 4 mmHg ist ein positiver Befund.

  • Als weiterer Test auf Control Impairment wird der Active Straight Leg Raise (ASLR) für die tiefen Bauchmuskeln MTA, OI und OE genannt.

10. Physiotherapieziele und Alltag

★ Unbedingt können

  • Zur Pneumonieprophylaxe werden Maßnahmen der Atemtherapie mit Beachtung der costoabdominalen Atmung und angeleitete Hustentechniken eingesetzt.

  • Bei Transfers nach Bauchoperationen soll der Patient nicht am Galgen hochgezogen oder gerade aufgerichtet werden, zu Beginn eher assistiv mobilisiert werden und kann die Narbe gegebenenfalls selbst fixieren.

  • Nach einer Bauchoperation soll die Mobilisation mit Aufstehen und Laufen so früh wie möglich beginnen.

Ergänzungen

  • Zur Thromboseprophylaxe dienen Mobilisation sowie aktives und gegebenenfalls assistives Bewegen.

  • Schmerzlinderung kann durch Lagerung und Anleitung zur Entspannung der Bauchdecke unterstützt werden.

  • Zur Rekrutierung beeinträchtigter Muskulatur werden MTA, Bauch- und Rückenmuskeln sowie Beckenboden aktiviert.

  • Fernziele der Physiotherapie sind Haltungskorrektur, Verbesserung der Ausdauer auf den Zustand vor der Operation und Schulung von Aktivitäten des täglichen Lebens.

  • Zur Entlastung des Bauches nach der Entlassung soll der Patient schweres Heben, Tragen und Bücken sowie Pressen vermeiden und je nach Narbengröße auf enge Gürtel oder Hosen verzichten.

Teste dein Wissen

Teste dein Wissen zu Bauchchirurgie und postoperative Therapie mit 11 Multiple-Choice-Fragen mit detaillierten Korrekturen.

1. Bei einer Patientin ist der Darm mechanisch oder funktionell verschlossen. Wie wird dieser Zustand bezeichnet?

2. Eine Person entwickelt plötzlich Bauchschmerzen, und ihr Zustand verschlechtert sich zunehmend lebensbedrohlich. Welche Bezeichnung trifft auf diese Situation zu?

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Merke dir die Schlüsselkonzepte von Bauchchirurgie und postoperative Therapie mit 78 interaktiven Karteikarten.

Was ist ein Ileus oder Subileus?

Ein mechanischer oder funktioneller Darmverschluss.

Wie kann ein Ileus operativ behandelt werden?

Durch Beseitigung der Ursache.

Was ist eine Peritonitis?

Eine Entzündung des Bauchfells.

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