Lernzettel: Blut, Hämostase und Immunsystem

Kursübersicht

  1. Blutfunktionen und Blutplasma
  2. Hämatopoese und Erythrozyten
  3. Leukozyten und Immunabwehr
  4. Thrombozyten und Hämostase
  5. Blutprodukte und Transfusion
  6. ABO- und Rhesus-Blutgruppen
  7. Lymphatische Organe und Lymphwege
  8. Selbsttoleranz und Lymphozytenselektion
  9. Bakterienaufbau und Einteilung

1. Blutfunktionen und Blutplasma

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Hämatokrit: Der Hämatokrit ist der Volumenanteil der Blutkörperchen am Gesamtblutvolumen; er beträgt beim Mann 46 % und bei der Frau 42 %.

★ Unbedingt können

  • Das Blut transportiert O₂, Nährstoffe, CO₂ und Stoffwechselabfallprodukte, ermöglicht Abwehr und Gerinnung, reguliert die Wärme und puffert pH-Schwankungen im Bereich von 7,35–7,45.
  • Das Blut besteht zu 40–45 % aus Blutkörperchen und zu 55–60 % aus Blutplasma.

  • Blutplasma besteht zu 90 % aus Wasser, zu 8 % aus Proteinen und zu 2 % aus weiteren Substanzen.

  • Plasmaproteine umfassen Albumin sowie α1-, α2-, β- und γ-Globuline; sie übernehmen kolloidosmotischen Druck, Transport, Pufferung, Gerinnung, Abwehr und Proteinreservoirfunktion.

Ergänzungen

  • Zu den weiteren Plasmabestandteilen zählen:
    • Ionen
    • Glukose
    • Vitamine
    • Hormone
    • Enzyme
    • Harnstoff
    • Harnsäure
    • Kreatinin

2. Hämatopoese und Erythrozyten

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Hämoglobin: Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff und besteht aus vier Polypeptidketten mit eisenhaltigen Hämgruppen; es transportiert O₂ und CO₂ und wirkt als Puffer.

★ Unbedingt können

  • Die Hämatopoese findet bei Gesunden im Knochenmark kurzer und platter Knochen sowie in den Epiphysen statt und bildet pro Sekunde über 2 Millionen Blutkörperchen.
  • Aus einer gemeinsamen multipotenten Stammzelle entstehen durch Wachstumsfaktoren lymphatische und myeloische Vorläuferzellen.
  • Die lymphatische Stammzelllinie bildet T-Zellen, B-Zellen und natürliche Killerzellen; die myeloische Linie bildet Granulozyten, Monozyten, Erythrozyten und Thrombozyten.

  • Erythrozyten sind kernlose, bikonkave Zellen mit etwa 7,5 μm Durchmesser und machen etwa 99 % der Blutkörperchen aus; ihre Zahl beträgt ungefähr 5 Millionen pro μl.

Ergänzungen

  • 🔄 Die Erythropoese verläuft über:
    1. Proerythroblast
    2. Erythroblast
    3. Normoblast mit Ausstoßung des Zellkerns
    4. Retikulozyt als junge Erythrozytenform

Eselsbrücke

Bei der Erythropoese vom Proerythroblasten über den Normoblasten zum Retikulozyten.

3. Leukozyten und Immunabwehr

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Leukozyten: Leukozyten sind kernhaltige, bewegliche Blutzellen, die Fremdstoffe und Krankheitserreger abwehren und an Entzündungsprozessen beteiligt sind.

★ Unbedingt können

  • Neutrophile Granulozyten machen 50–70 % der Leukozyten aus und phagozytieren vor allem Bakterien und abgestorbene Zellreste als erste Abwehr bakterieller Erreger.

  • Monozyten machen 2–8 % der Leukozyten aus, wandern nach höchstens drei Tagen im Blut ins Gewebe und differenzieren dort zu Makrophagen, die Mikroorganismen phagozytieren und Antigene präsentieren.

  • T-Lymphozyten vermitteln spezifische Abwehr, B-Lymphozyten bilden spezifische Antikörper und präsentieren Antigene, und natürliche Killerzellen wehren Viren ab.

Ergänzungen

  • Eosinophile Granulozyten machen 2–4 % der Leukozyten aus und bekämpfen Parasiten durch Entleerung ihrer Granula und Phagozytose; sie treten auch bei Allergien auf.

  • Basophile Granulozyten machen etwa 2 % der Leukozyten aus und besitzen Histamin enthaltende Granula, die an allergischen Sofortreaktionen beteiligt sind.

Eselsbrücke

Never Let Monkeys Eat Bananas: Neutrophile, Lymphozyten, Monozyten, Eosinophile, Basophile.

4. Thrombozyten und Hämostase

★ Unbedingt können

  • Thrombozyten sind kleine Scheibchen, die im Knochenmark durch Abschnürung von Megakaryozyten entstehen und etwa 200.000 pro μl Blut vorkommen.
  • 🔄 Die primäre Hämostase umfasst:

    1. Gefäßverengung durch Kontraktion glatter Muskulatur
    2. Anheften der Thrombozyten an die Gefäßwunde
    3. Zusammenlagerung der Thrombozyten zum weißen Thrombus
  • Bei der sekundären Hämostase aktiviert eine Gerinnungskaskade Gerinnungsfaktoren und spaltet Fibrinogen zu Fibrin, dessen Fasernetz Thrombozyten und Erythrozyten einlagert und den roten Thrombus bildet.

Ergänzungen

  • Bei der Thromboadhäsion vermitteln von Endothelzellen stammender von-Willebrand-Faktor und Thrombozyten das Anhaften an der Gefäßverletzung.

Eselsbrücke

Erst Gefäßverengung und Plättchenpfropf, dann Fibrinnetz.

5. Blutprodukte und Transfusion

Wesentliche Punkte

  • Erythrozytenkonzentrat ist bei Anämien, etwa nach großem Blutverlust bei Unfällen oder Operationen und bei Krebspatienten, indiziert; es ist bei 4 °C 42 Tage haltbar.

  • Thrombozytenkonzentrat dient bei thrombozytopeniebedingter Blutungsneigung und ist bei 20–24 °C fünf Tage haltbar.

  • Fresh Frozen Plasma (FFP) ersetzt Proteine und Gerinnungsfaktoren bei massivem Blutverlust oder Gerinnungsstörungen wie Verbrauchskoagulopathie und ist bei −30 bis −40 °C zwei Jahre haltbar.

Eselsbrücke

Erythrozytenkonzentrat ersetzt Erythrozyten, Thrombozytenkonzentrat Blutplättchen, FFP Gerinnungsproteine.

6. ABO- und Rhesus-Blutgruppen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Antigen: Ein Antigen ist eine Oberflächenstrukturvariante, die im Blut anderer Menschen als fremd erkannt werden kann.
  • Antikörper: Ein Antikörper ist ein Stoff im Serum, der Antigene abwehren kann; Immunglobuline sind Y-förmige Blutantikörper.
  • Agglutination: Agglutination ist die Verklumpung von Erythrozyten infolge einer Reaktion ihrer Oberflächenantigene mit Antikörpern.

Wesentliche Punkte

  • Das Rhesus-System unterscheidet Erythrozyten mit D-Antigen (Rh-positiv) von Erythrozyten ohne D-Antigen (Rh-negativ).

  • Bei direktem Kontakt mit Rh-positiven Erythrozyten kann eine Rh-negative Person Anti-D-Antikörper bilden; diese Antikörper sind nicht wie die ABO-Antikörper von Anfang an vorhanden.

  • Bei einer ersten Schwangerschaft mit Rh-positivem Kind können kindliche Erythrozyten ins Blut einer Rh-negativen Mutter gelangen und die Bildung plazentagängiger IgG-Anti-D-Antikörper auslösen; in einer folgenden Rh-positiven Schwangerschaft können diese Antikörper fetale Erythrozyten zerstören und Anämie sowie Morbus haemolyticus neonatorum verursachen.

Eselsbrücke

ABO-Antikörper sind vorhanden; Anti-D entsteht erst nach Kontakt bei Rh-negativen Personen.

7. Lymphatische Organe und Lymphwege

★ Unbedingt können

  • Das Lymphsystem übernimmt Drainage, Immunabwehr und Fetttransport.

  • Primäre und sekundäre lymphatische Organe sind:

    • Knochenmark und Thymus (primär)
    • Milz (sekundär)
    • Lymphknoten (sekundär)
    • MALT (sekundär), darunter lymphatischer Rachenring, Peyer-Plaques und Appendix
  • Die Lymphe fließt von Lymphkapillaren über Lymphbahnen und Lymphknoten zu großen Lymphbahnen, dann in die Cisterna chyli und über den Ductus thoracicus ins venöse System.

  • Lymphknoten sind bohnenförmige biologische Filterstationen mit Kapsel, Trabekeln und Retikulumzellen; die Rinde enthält vorwiegend B-Lymphozyten, der Bereich zwischen Rinde und Mark vorwiegend T-Lymphozyten und das Mark vorwiegend Plasmazellen.

Ergänzungen

  • Die Lymphe entspricht etwa 10 % des Kapillarblutfiltrats, ähnelt in ihrer Zusammensetzung dem Blutplasma und enthält weniger Proteine.

  • Die Milz liegt im linken Oberbauch unter dem Zwerchfell und besitzt eine rote Pulpa mit Blutsinus sowie eine weiße Pulpa mit lymphatischem Gewebe, periarteriellen lymphatischen Scheiden und Lymphfollikeln.

Eselsbrücke

Lymphe fließt von Kapillaren über Lymphbahnen und Knoten in große Bahnen bis zum Ductus thoracicus.

8. Selbsttoleranz und Lymphozytenselektion

★ Unbedingt können

  • Im Knochenmark entstehen immunkompetente Zellen aus einer pluripotenten Stammzelle, und B-Lymphozyten reifen und werden dort selektiert.

  • In primären Lymphorganen werden T- und B-Zellen mit Selbst-Antigenen auf Immuntoleranz geprüft, weil zufällig entstehende spezifische Rezeptoren auch autoreaktive Lymphozyten hervorbringen.

  • Bei der B-Zellselektion präsentieren Stromazellen im Knochenmark körpereigene Antigene; schwache B-Zellrezeptorbindung erlaubt weitere Reifung, während starke autoreaktive Bindung meist durch Apoptose zur klonalen Deletion führt.

  • Bei der positiven T-Zellselektion in der Thymusrinde erkennen T-Zellrezeptoren körpereigene MHC-Proteine und binden mit niedriger Affinität an Selbst-Antigen-MHC-Komplexe, sodass die T-Zellen weiterreifen.

Ergänzungen

  • Bei der negativen T-Zellselektion im Thymusmark werden T-Zellen mit starker Bindung an Selbst-Antigen-MHC-Komplexe durch Apoptose aussortiert.

Eselsbrücke

Schwache Bindung lässt B-Zellen reifen; starke autoreaktive Bindung führt zur Deletion.

9. Bakterienaufbau und Einteilung

Wesentliche Punkte

  • Bakterien besitzen:

    • Zellmembran
    • Zellwand
    • Geißel
    • 70S-Ribosomen
    • Nukleoid
    • Plasmid
    • Cytosol
  • Zu den bakteriellen Pathogenitätsfaktoren zählen:

    • Kapsel
    • Pili
    • Enzyme
    • Toxine
  • Bakterien werden nach ihrer Form als Kokken, Stäbchen oder Schrauben, nach ihrer Färbung als grampositiv oder gramnegativ und nach ihrem Sauerstoffbedarf als aerob oder anaerob eingeteilt.

Teste dein Wissen

Teste dein Wissen zu Blut, Hämostase und Immunsystem mit 11 Multiple-Choice-Fragen mit detaillierten Korrekturen.

1. Welche Kombination beschreibt wichtige Funktionen des Blutes am vollständigsten?

2. Welche Zusammensetzung entspricht den ungefähren Anteilen des Blutplasmas?

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Merke dir die Schlüsselkonzepte von Blut, Hämostase und Immunsystem mit 10 interaktiven Karteikarten.

Welche Funktionen übernimmt das Blut?

Es transportiert Stoffe, ermöglicht Abwehr und Gerinnung, reguliert Wärme und puffert den pH-Wert.

Wie setzt sich Blutplasma prozentual zusammen?

Es besteht zu 90 % aus Wasser, zu 8 % aus Proteinen und zu 2 % aus weiteren Substanzen.

Wo findet die Hämatopoese bei Gesunden statt?

Im Knochenmark kurzer und platter Knochen sowie in den Epiphysen.

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