Lernzettel: Notaufnahme und Notfallpflege

Kursübersicht

  1. Aufgaben und Ausstattung der Notaufnahme
  2. Notfallpatienten und Notfallpflege
  3. Berufsgruppen und Zusammenarbeit
  4. Stufen der Notfallversorgung
  5. Zugangswege und Versorgungskette
  6. Triage und Ersteinschätzung
  7. Manchester-Triage-System
  8. Vitalparameter und Pulsoximetrie
  9. Puls und seine Veränderungen
  10. Pulsmessung und klinische Bedeutung

1. Aufgaben und Ausstattung der Notaufnahme

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Notaufnahme: Erste Anlaufstelle bei einem medizinischen Notfall, die rund um die Uhr Patienten mit akuten Beschwerden versorgt.

★ Unbedingt können

  • Die Notaufnahme benötigt eine zentrale Lage, ausreichend Arbeits- und Bewegungsfläche, barrierefreien Zugang und eine Zufahrt für den Rettungsdienst.

Ergänzungen

  • Die Notaufnahme soll räumlich nahe an Operationsbereich, Funktionsabteilungen, Intensivstation und Röntgenabteilung liegen.

  • Eine Isoliereinheit benötigt eine Schleuse und gegebenenfalls eine separate Zufahrt; Böden, Wände und Oberflächen müssen leicht desinfizierbar sein, und Waschbecken sollen keinen Überlauf haben.

2. Notfallpatienten und Notfallpflege

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Notfallpatient: Plötzlich schwer erkrankt oder verletzt, wobei akute oder mögliche Lebensgefahr besteht und sich der Gesundheitszustand schnell verschlechtern kann.
  • Notfallpflege: Professionelle Pflege von Patienten in akuten, ungeplanten und oft zeitkritischen Situationen.

★ Unbedingt können

  • Ein Notfallpatient benötigt schnelle medizinische und pflegerische Hilfe sowie gegebenenfalls Überwachung, Behandlung oder Weitertransport.

Ergänzungen

  • Zu den Aufgaben der Notfallpflege gehören:
    • Beobachtung und Einschätzung des Patientenzustands
    • Wahrnehmen von Veränderungen und Risiken
    • Unterstützung bei Diagnostik und Therapie
    • Versorgung und Betreuung
    • interdisziplinäre Zusammenarbeit
    • Information von Patienten und Angehörigen
    • Organisation der weiteren Versorgung

3. Berufsgruppen und Zusammenarbeit

★ Unbedingt können

  • In der Notaufnahme arbeiten ärztlicher Dienst, pflegerisches Personal, nichtärztliches Personal in Ausbildung sowie administratives Personal interdisziplinär zusammen.

Ergänzungen

  • Zum ärztlichen Dienst gehören Fachärzte und Assistenzärzte; zum administrativen Personal gehören Verwaltungsfachangestellte und Medizinische Fachangestellte.

  • Nichtärztliches Personal in Ausbildung umfasst unter anderem Pflege, Operationstechnische Assistenten und Notfallsanitäter.

4. Stufen der Notfallversorgung

★ Unbedingt können

📌 Die drei Stufen der Notfallversorgung in Deutschland sind Basisnotfallversorgung, erweiterte Notfallversorgung und umfassende Notfallversorgung. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

  • Die Basisnotfallversorgung wird mit 153.000 € vergütet und erfordert eine räumlich abgegrenzte Zentrale Notaufnahme mit eigenständiger, fachlich unabhängiger Leitung. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

  • Die erweiterte Notfallversorgung wird mit 459.000 € vergütet und verlangt mindestens vier Fachabteilungen der Kategorien A und B, darunter mindestens zwei der Kategorie A. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

  • Die umfassende Notfallversorgung wird mit 688.500 € vergütet und verlangt mindestens sieben Fachabteilungen der Kategorien A und B, darunter mindestens fünf der Kategorie A. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

Ergänzungen

  • Für die Basisnotfallversorgung müssen Innere Medizin, Chirurgie beziehungsweise Unfallchirurgie und Anästhesie innerhalb von 30 Minuten verfügbar sein; erforderlich sind außerdem ein Schockraum, 24/7-CT, eine Intensivstation mit mindestens sechs Betten und drei Beatmungsbetten. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

  • Erweiterte und umfassende Notfallversorgung benötigen eine Beobachtungsstation mit mindestens sechs Betten sowie rund um die Uhr Notfallgastroskopie, PCI-Herzkatheter, MRT und Primärdiagnostik für Schlaganfall; die umfassende Stufe umfasst zusätzlich Initialtherapie und mindestens 20 Beatmungsbetten. - Gemeinsamer Bundesausschuss, 2018

Eselsbrücke

Von Basis über erweitert zu umfassend steigen Fachabteilungen und Intensivkapazitäten.

5. Zugangswege und Versorgungskette

★ Unbedingt können

  • Patienten erreichen die Notaufnahme: mit bodengebundenem Rettungsdienst oder Luftrettung, selbstständig, nach Einweisung durch Haus- oder Facharzt, durch Verlegung aus einer anderen Klinik

  • Das Versorgungskonzept umfasst: präklinische Vorbereitungsphase, klinische Untersuchung und Behandlung, klinische Aufnahme, Weiterverlegung oder Entlassung

Ergänzungen

  • In der präklinischen Phase gehören Kommunikation mit Hausarzt, Notarzt und Rettungsdienst, Patientenankündigung und Bettenmanagement zu den Tätigkeiten; die klinische Behandlungsphase umfasst unverzügliche, leitlinienkonforme Notfallbehandlung.

  • Während der klinischen Untersuchung und Behandlung erfolgen Dringlichkeitseinstufung, Erstbehandlung, Diagnostik und Monitoring, Entwicklung eines Therapiekonzepts, Hinzuziehung von Fachabteilungen sowie administrative Aufnahme und Kostensicherung.

Eselsbrücke

Präklinische Vorbereitung → Untersuchung und Behandlung → Aufnahme, Weiterverlegung oder Entlassung.

6. Triage und Ersteinschätzung

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Triage: Ersteinschätzung von Notfallpatienten anhand objektiver und subjektiver Kriterien zur Bestimmung der Dringlichkeit.

★ Unbedingt können

📌 Das MTS ist symptomorientiert und berücksichtigt den Ressourcenbedarf nicht direkt, während der ESI algorithmusbasiert ist und den Ressourcenbedarf in den Fokus stellt.

Ergänzungen

  • Die Ersteinschätzung findet in einem separaten Raum oder an einer zentralen Anlaufstelle der Notaufnahme statt und ordnet Patienten einer fünfstufigen Skala zu.

📌 Manchester Triage System (MTS) und Emergency Severity Index (ESI) sind europäische Triage-Systeme mit fünfstufiger Skala und gemeinsamer Zielsetzung, Anwendung und rechtlichem Rahmen in Deutschland.

Eselsbrücke

MTS folgt Symptomen und Diagrammen; ESI richtet den Fokus stärker auf Ressourcenbedarf.

7. Manchester-Triage-System

★ Unbedingt können

  • Das Manchester Triage System entstand 1994 durch eine Konsensusgruppe aus Ärzten und Notfallpflegenden; die erste Version wurde 1995 eingeführt, die Second Edition erschien 2006, die Third Edition 2014 und die deutsche Veröffentlichung erfolgte 2018. - Mackway-Jones, 1997

  • Das MTS beurteilt Behandlungsdringlichkeit anhand von Beschwerden und Symptomen und verzichtet konsequent auf Diagnosen, weil eine valide Verdachtsdiagnose in der kurzen Zeit nicht möglich ist.

  • 🔄 Die MTS-Ersteinschätzung umfasst folgende Schritte:

    1. Patienteneindruck und Begrüßung
    2. kurze Vorgeschichte
    3. Hauptbeschwerde und Diagrammauswahl
    4. eingrenzende Fragen
    5. erforderliche Untersuchung und Vitalparameter
    6. Schmerzeinschätzung
    7. Dringlichkeitsstufe und Versorgungsplanung
    8. standardisierte Dokumentation
  • Die MTS-Dringlichkeitsstufen und Zeitfenster sind:

    • Rot: sofort
    • Orange: 10 Minuten
    • Gelb: 30 Minuten
    • Grün: 90 Minuten
    • Blau: 120 Minuten

Ergänzungen

  • Das MTS umfasst 53 beschwerdebezogene Diagramme mit Indikatoren, die nach abnehmender Behandlungsdringlichkeit geordnet sind. - Mackway-Jones et al., 2018

  • Der erste zutreffende Indikator bestimmt die Dringlichkeitsstufe und beendet den Triageprozess; bei jeder Dringlichkeitsstufe sind Symptome nach dem A-B-C-D-E-Schema eingeordnet. - Mackway-Jones et al., 2014

Eselsbrücke

Vom ersten Eindruck über Beschwerden und Indikatoren zur Dringlichkeitsstufe und Dokumentation.

8. Vitalparameter und Pulsoximetrie

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Pulsoximetrie: Nichtinvasive Messung von Pulsfrequenz und peripherer arterieller Sauerstoffsättigung mittels Clip-Sensor; sie gibt an, welcher Anteil des Hämoglobins mit Sauerstoff beladen ist.

★ Unbedingt können

  • Die Atemfrequenz entspricht der Zahl der Atemzüge pro Minute; Normwerte sind 12–15/min bei gesunden Erwachsenen, 20–30/min bei Kindern und 20–50/min bei Säuglingen.

  • Die Körperkerntemperatur liegt relativ konstant bei 37 °C, mit einem angegebenen Bereich von 36–38 °C; oberhalb von 42 °C oder unterhalb von 35 °C arbeiten Enzyme nicht mehr richtig.

  • Der Normwert der Sauerstoffsättigung beträgt 94–100 %; bei weniger als 94 % ist eine Sauerstoffgabe zu erwägen, und die Messung ist fehleranfällig.

Ergänzungen

  • Die Atemfrequenz wird durch unbemerkte Beobachtung geprüft.

  • Messorte der Körpertemperatur sind:

    • rektal
    • oral
    • axillär
    • aurikulär

9. Puls und seine Veränderungen

Schlüsselkonzepte & Definitionen

  • Puls: Durch die Kontraktion des Herzens ausgelöste Druckwelle, die an oberflächlichen arteriellen Gefäßen tastbar ist; die Pulsfrequenz wird in Schlägen pro Minute angegeben.

★ Unbedingt können

  • Die Pulsbeobachtung umfasst:
    • Pulsfrequenz: Zahl ertastbarer Pulswellen pro Minute
    • Pulsrhythmus: zeitliche Abstände zwischen den Wellen
    • Pulsqualität: Füllungszustand und Härte der Pulswelle

Ergänzungen

  • Als Bradykardie gilt das Unterschreiten einer Herzfrequenz von etwa 50/min; als mögliche Ursachen werden niedrige Frequenz bei normalem Puls, Medikamentenintoxikation, Erregungsleitungs- oder Erregungsbildungsstörungen, anhaltende Reizung des Nervus vagus und erhöhter Hirndruck genannt.

  • Als Tachykardie gilt eine Herzfrequenz über 100/min; mögliche physiologische Auslöser sind körperliche Anstrengung, Angst, Schmerzen, Fieber oder Aufregung.

  • Als pathologische Ursachen einer Tachykardie werden genannt:

    • Medikamente
    • hoher Koffeinkonsum
    • Hypokaliämie
    • Flüssigkeitsdefizit
    • Fieber
    • Herzinfarkt
    • Herzrhythmusstörung

Eselsbrücke

Bradykardie liegt unter der Frequenzgrenze, Tachykardie über der Frequenzgrenze.

10. Pulsmessung und klinische Bedeutung

★ Unbedingt können

  • Zur Pulsmessung werden Zeige- und Mittelfinger, gegebenenfalls zusätzlich der Ringfinger, mit leichtem Druck über einer Arterie aufgelegt; die Pulswellen werden 15 Sekunden gezählt und der Wert mit vier multipliziert, um die Zahl pro Minute zu erhalten.

📌 Im Notfall soll bei erforderlicher Herzdruckmassage nicht erst der Puls gefühlt werden.

Ergänzungen

  • Die Pulsmessung dient: der Beurteilung des Herz-Kreislauf-Systems, der Pulskontrolle, diagnostischen Routinemessungen, Kontrollen, zum Beispiel bei Druckverbänden

Teste dein Wissen

Teste dein Wissen zu Notaufnahme und Notfallpflege mit 27 Multiple-Choice-Fragen mit detaillierten Korrekturen.

1. Warum gelten Körperkerntemperaturen über 42 °C oder unter 35 °C als kritisch?

2. Welche Aussage zur Entstehung und Einführung des Manchester-Triage-Systems ist richtig?

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Merke dir die Schlüsselkonzepte von Notaufnahme und Notfallpflege mit 68 interaktiven Karteikarten.

Welche Aufgabe hat die Notaufnahme bei einem medizinischen Notfall?

Sie ist die erste Anlaufstelle.

Wie lange versorgt die Notaufnahme Patienten mit akuten Beschwerden?

Rund um die Uhr.

Welche räumliche und verkehrliche Ausstattung benötigt eine Notaufnahme?

Zentrale Lage, ausreichend Arbeits- und Bewegungsfläche, barrierefreien Zugang und eine Zufahrt für den Rettungsdienst.

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